Ein paar Take Aways auf der Rückfahrt von der Crypto Asset Conference

  • Cryptowinter auf CAC?  – Nicht nur im verglasten Foyer der Frankfurt School of Management & Finance schien die Sonne.
  • Bitcoin, Kryptowährungen – ja gab es auch, über Metaverse, Web3 und NFT wurde ebenfalls gesprochen; aber das waren nicht die beherrschenden Themen auf der CAC-Agenda: DLT-basierender Kapitalmarkt, tokenisierte Assets aller Art, Verwahrung, CBDCs, Blockchain als Bankeninfrastruktur, DLT-Geschäftsmodelle, Regulierung (zu viel, zu wenig, zu langsam) nahmen mehr Gesprächsraum ein.  Das breite Diskussionsspektrum zeigt dass die Blockchain sich als Technologie vom erste Use-Case Kryptowährungen/-token weitgehend emanzipiert hat.
  • Blockchain ist im technologischen Herzen von Banken und Finanzmärkten angekommen und wird als künftiges Infrastruktur-Rückgrat der Industrie diskutiert. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Finanzbranche dezentral tickt.
  • Die typische BesucherInnen- und Speaker-Persona: Damen und Herren (meistens) aus Banken, Beratungen oder Infrastruktur-Providern, wenige Startup-Player; die Branche wird reif, mehr Hemden als T-Shirt, mehr Sakko als Hoodies, viele Manschetten-Knöpfe.
  • Eine hybride Konferenz, aber die meisten Krypto-Player konnte man vor Ort treffen.
  • JP Morgan, BNP Paribas, Goldman Sachs waren da, zum Teil sogar Sponsoren– Deutsche Banken in dieser Gewichtsklasse? Fehlanzeige
  • Regulierung ist gut – muss aber wesentlich schneller sein.
  • Deutschland als Krypto-Standort, nicht erste Wahl, auch wenn gilt, wer es hier schafft, schafft es überall.
  • Die CAC ist die inhaltsstärke Krypto-Konferenz, die ich kennen. Agenda von 9 Uhr bis 20 Uhr, nicht viel mehr als eine verteilte Stunde Pause; Know-how-Druckbetankung zu allen wesentlichen Kryptothemen (insofern ist der Namen Crypto Asset Conference eigentlich zu eng). Wenig Corporate-Pitch-Bullshit, die akademische Umgebung scheint zu verpflichten.

 

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Vom DLP Pilot Regime zum Spotify-Moment des blockchainisierten Kapitalmarkt

Die Finanzmärkte stellen den idealen Anwendungsfall für die Blockchain-Technologie dar. Trotzdem gibt es bislang rudimentäre Ansätze, Wertpapiergeschäfts Blockchain-basierend abzuwickeln.. Die Gründe dafür sind vielfältig: Regulierung, die notwendige Koordination einer Vielzahl von Akteuren, die Umgestaltung der Prozesse etc.  Doch neben der Technologie macht auch die Regulierung in der letzten Zeit Fortschritte. Erleben die Kapitmärkte mit der Blockchain jetzt bald ihren Spotify-Moment?

Die Struktur der Kapitalmärkte mit ihrer langwierigen Prozesskette und den vielen beteiligten Parteien sorgt dafür, dass der simple Besitzwechsel eines Wertpapiers zwei Tage dauert (T+2). Vom Trade über Clearing bis zum Settlement sind diverse Intermediäre und Infrastrukturanbieter beteiligt – und die benötigen Zeit. Die meisten der Aktivitäten lassen sich als Vertrauensarbeit charakterisieren: Es geht um Abstimmungen während des Wertetransfers und die Beglaubigung dieser Abstimmungen zwischen vielen Akteuren. Dies zu digitalisieren sind die beiden zentralen Innovationen der Blockchain-Technologie.

Auf einem vollständig Blockchain-basierenden Kapitalmarktsystem finden Trade, Clearing und Settlement in einem automatisierten Schritt End-to-End statt: Durch den Ablauf eines Smart Contracts wechseln tokenisiertes Wertpapier und Geld in einem digitalen Wertetausch den Besitzer. Dies wird dem Registerführer fast ohne Zeitverzögerung angezeigt, der Prozess funktioniert Echtzeitnah, auf jeden Fall mit T=0 und 24/7.

Die meisten Akteure des bisherigen urkundenbasierten Wertpapierhandels werden in diesem Prozess überflüssig. Ihre Abstimmungsarbeiten und Vertrauenspositionen werden nicht mehr benötigt. Vertrauens-, Buchhaltungs- und Settlement-Funktion sind digital-kryptographisch abgebildet. Die Verwahrung von tokenisiertem Geld und Wertpapieren ist in die Blockchain geschrieben. Im traditionellen Wertpapierhandelsprozess stellt die Schlussnote, die an alle Beteiligten verteilt wird, die aktuelle Wahrheit über das Eigentum am Wertpapier fest, die dann in diversen, zentralen Datenbanken festgehalten wird. In Blockchain-basierenden Prozessen ist die Eigentumswahrheit für jeden einsehbar und unfälschbar in der Blockchain festgeschrieben.

Regulierung blockiert die Kapitalmarkt-Innovation

Stellt sich die Frage: Wenn der Kapitalmarkt einer der Parade-Anwendungsfälle für die Blockchain ist, warum gibt es ihn dann noch nicht oder nur in rudimentären Ansätzen? Zumal das elektronische Wertpapier-Gesetz (eWpG) bereits im Juni 2021 die Urkundenpflicht für Wertpapiere abgeschafft und den Weg für ihre Tokenisierung frei gemacht hat. Tokenisierte Wertpapiere wurden seitdem zwar emittiert, der große Durchbruch blieb aber aus. Dies unter anderem, da elektronische Wertpapiere an regulierten Märkten noch nicht gelistet werden dürfen, weil ihnen dazu einige Voraussetzungen fehlen, wie etwa die Einbuchung in das Effektengiro eines Zentralverwahrers. Und auch weil die Art der Wertpapiere auf Schuldverschreibungen, Pfandbriefe und Fondsanteile beschränkt ist und für diese Wertpapiere bislang keine erfolgreichen Zweitmärkte aufgebaut wurden.

Der Aufbau nicht-regulierter Zweitmärkte ist sehr komplex. Auch hier müssen viele Prozesselemente mit diversen Erlaubnistatbeständen zusammengebracht werden: Finanzkommission, Eigenhandel, Anlagevermittlung, Einlagengeschäft, Kryptowerte-Verwahrung und mehr. Diese Komplexität unterläuft die Einfachheit, die die Blockchain-Vision des Kapitalmarkts verspricht. Dagegen erscheint der traditionelle Wertpapierhandelsprozess mit seinen zwar vielen, aber seit Jahrzehnten eingespielten Akteuren, fast schon einfach. So können Anleger bei einem der Neo-Broker ETFs schnell, einfach und preiswert kaufen. ETFs ließen sich heute schon tokenisieren. Aber der Aufwand dafür ist so groß, dass dies nur in den seltesten Fällen Sinn macht.

Regulierung für die Blockchain-Vision

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Ethereum Merge: Überholt Ether mit optimierter Infrastruktur Bitcoin?

Mit dem „Merge“ genannten Umstieg der Ethereum-Blockchain auf ein neues Validierungsverfahren wird ein großer Teil der Kryptowirtschaft nachhaltiger – und leistungsfähiger. Es wird nicht nur ein gewaltiger Energieverbrauch abgeschaltet. Das Ethereum-Netzwerk wird wesentlich schneller und günstiger. Ether kann deshalb mittelfristig den Bitcoin als wichtigste Kryptowährung ablösen.“ Das zeigen auch die Transaktionszahlen.

Infrastruktur wird nicht nur nachhaltiger, sondern auch kostengünstiger

Der Schwenk vom energiehungrigen Proof-of-Work zum einfacheren Proof-of-Stake als Validierungsverfahren der Ethereum-Blockchain ist ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen, dezentralen Infrastruktur für die tokenisierte Finanzwirtschaft. Immerhin fällt ein Stromverbrauch vergleichbar mit dem der Niederlande einfach weg. Der Betrieb der Blockchain wird aber nicht nur preiswerter, weil weniger Strom verbraucht wird. Auch die Kosten für die Hardware sind geringer: Für die Proof-of-Work-Verfahren sind teure Spezialrechner notwendig, für Proof-of-Work reichen einfache PCs.

Zudem wird mit dem Merge auch der Weg für weitere Optimierungen geebnet. So soll die Leistungsfähigkeit des Ethereum-Netzwerks mittelfristig auf bis zu 100.000 Transaktionen pro Sekunde steigen, kündigt der Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin an. Zum Vergleich: Das Bitcoin-Netzwerk schafft etwa sieben Transaktionen pro Sekunde, das Ethereum-Netz bislang rund 15. Das hat dafür gesorgt, dass aufgrund der starken Nachfrage nach Transaktionen deren Preis zum Teil in die Hunderte Dollar stieg – kaum noch rentabel für viele Anwendungen.

Ether könnte auf absehbare Zeit zur stärksten Kryptowährung werden

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Die überschätzte Plattformisierung – die Kundenschnittstelle ist wichtiger

Noch vor drei Jahren war die Plattformisierung der Bankenbranche ein in verschiedenen Versionen stark diskutiertes Thema. Man schaute sich um, ob irgendwo eine Plattform entstehen würde, die die Branche, ähnlich wie Airbnb den Übernachtungsmarkt oder Uber den Personentransport, revolutionieren könnte. Auch die GAFAs, damals Google, Apple, Facebook und Amazon, wurden als mögliche Eindringlinge identifiziert, die mir ihrer Kundenmacht versuchen könnten, im Finanzmarkt zu wildern.

Mit Blick auf die eigenen Geschäftsmodelle gab es die weitverbreitete Ansicht, dass die Banken sich selbst zu Plattformen entwickeln müssten oder zu Lieferanten anderer Plattformen „degradiert“ werden würden. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing formulierte es auf dem Bankengipfel im August 2018 so: „Entweder wir werden ein ziemlich austauschbarer Anbieter von Finanzprodukten, die auf großen Plattformen verkauft werden – einer von vielen Zulieferern in einem großen digitalen Supermarkt. Oder wir wollen diejenigen sein, die das Regal gestalten, weil wir wissen, was die Kunden wollen.“

Indikatoren für die Plattform-Hypothese

Die Indikatoren für Plattform-Hypothesen schienen offensichtlich: Die an der Marktkapitalisierung gemessen erfolgreichsten Unternehmen, zu denen die GAFAs gehörten, waren vordergründig Plattform-Unternehmen. In vielen Branchen setzten Plattformen wie Uber und Airbnb an, die traditionellen Anbieter in die zweite Reihe zu drängen. Plattform-Geschäftsmodelle verbinden  per Definition Produzenten und Konsumenten, ohne selbst Produkte zu produzieren oder anzubieten. Mit der „klassischen“ Plattformisierung schieben sich die Plattformen zwischen Kunden und Produzenten, die ursprünglich einen direkten Zugang zu den Kunden hatten. Sie machen konkurrierende Angebote vergleichbar und erhöhen so den Druck auf Preise und Margen. Zudem setzen sie Erwartungsstandards, die alle etwas mit Produktvielfalt und Auswahlmöglichkeiten zu tun haben oder auch mit der „Ein-Klick-Einfachheit“ über alle Prozessschritte hinweg. Bestellen, zahlen, liefern, zurückgeben: Daran muss sich jedes Unternehmen messen lassen – dies galt und gilt auch für Banken.

Plattform-Realität: Es gibt keine Plattform-Bank

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Blockchain digitalisiert Vertrauensinfrastruktur

Nach dem Werteverfall aller Kryptowährungen und den Krypto-Crashes in den vergangenen Monaten hat sich die fachliche und weniger fachliche öffentliche Debatte an der Frage abgearbeitet: Ist das der Kryptotod oder nur ein weiterer saisonaler Kryptowinter?

Kryptos sind offensichtlich, was man geglaubt oder gehofft hatte, was sie seien – das haben die letzten Wochen gezeigt: Sie sind kein Hedge gegen Aktien. Kryptos und Aktien, vor allem Tech-Aktien sind im Gleichschritt gefallen. Auch als Inflationsschutz haben Kryptos bisher versagt. Sie haben weit mehr an Wert verloren als reguläre Währungen. Das Narrativ von Kryptos als digitales Geld war schon vor der aktuellen Krise brüchig geworden.

Zwei Hauptargumente pro Kryptos

Zwei Argumente werden von den „Krypto-Jüngern“ immer pro Krypto angeführt: Der Bitcoin mag inhärent nichts wert sein, aber die Blockchain-Technologie hat einen Wert, der sich früher oder später durchsetzen wird. Dem entgegnen die Skeptiker, dass es die Blockchain nun seit 14 Jahren gibt und es trotz vieler Millionen investierter VC-Gelder bisher keinen überzeugenden Use Case mit einer nachhaltigen Monetarisierung gebe – wann soll dieser also kommen?

Das zweite Argument lautet, dass Kryptowährungen immer wieder starke Einbrüche gefolgt von längeren Kryptowintern erlebt hätten. Nach einiger Zeit seien die Preise für Kryptowerte immer wieder über ihre Vorkrisen-Werte hinweg gestiegen. Dieses Argument lässt sich empirisch tatsächlich gut belegen. Und es scheint auch klar, dass im Abstieg wie jetzt die Skeptiker die diskursive Vorherrschaft gewinnen, während im Aufstieg eher die „Jünger“ mit ihren Argumenten die öffentliche Meinung bestimmen.

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Financial Education von offensiv zu defensiv

Der jüngste Absturz des Stablecoin-Systems Terra-Luna hat manche Anleger völlig überrascht. Mehr Wissen über Finanzinstrumente hätte manchen vor Verlusten bewahren können. Aufklärungsarbeit wird gefordert. Doch diese muss ihren Fokus wechseln: Statt offensiv-werbend wie bei anderen Anlagen steht bei Kryptos ein defensiv-warnendes Vorgehen im Vordergrund.

Binance-Gründer spricht sich für mehr „Education“ aus

Binance-Gründer Changpeng Zhao lieferte unlängst auf der Messe FinanceForward ein für einen Krypto-Gründer interessantes Statement: Es sei an der Zeit, Anleger besser zu „educaten.“ Sie sollten die Projekte hinter den Kryptowerten besser verstehen und nicht immer den höchsten Renditen hinterherjagen. Ein eher defensives Vorgehen also, das ausgerechnet von einem der Protagonisten des Kryptobooms verlangt wird? Abgesehen von den bemerkenswerten Aufklärungsinhalten, die Changpeng Zhao hier artikuliert hat, ist die Rolle der Financial Education, die in diesem Statement zum Ausdruck kommt, interessant:

Im vergangenen Jahrzehnt versuchten die damals gegründeten Robo-Advisors mittels Financial Education die Menschen zu animieren, Geld auf dem Kapitalmarkt anzulegen. Die Idee war, dass man den deutschen Aktienmuffeln nur erklären brauche, wie vernünftige, meist passive Geldanlage funktioniert, um sie dazu zu bringen, ihre vielen unverzinsten Milliarden von Spar- und Tagesgeldkonten in die Fondsdepots der Robo-Advisors zu transferieren.

Und so sehr das auch die Standard-Argumentation in den damaligen Pitchdecks war: In der Realität hat dies nie funktioniert. Die Metamorphose der deutschen Zinsjäger in Kapitalmarkt-Liebhaber haben trotz der jahrelangen Null- und Negativ-Zinsen erst die Neo-Broker mit dem Mix aus Einfachheit, Kostenlosigkeit und Gamifizierung erreicht. Inzwischen sind diese so weit gekommen, dass Jugendliche zum Teil lieber Aktien und Kryptos handeln als Spiele zocken. Kryptos wurden neben dem grundsätzlich spielerischen Ansatz auch durch das Narrativ spannend, dass man hier mit wenig Einsatz sehr viel Geld verdienen könne. Beglaubigt wurde das scheinbar durch die gefühlt vielen Krypto-Millionäre und -Milliardäre.

Doch angesichts volatiler Kryptomärkte und einer Unmenge an mehr oder weniger tragfähigen Konzepten, die ständig neu auf den Markt geworfen werden, ändert sich die Aufgabe der Financial Education um 180 Grad: Sie muss nicht mehr vom Kapital- oder Kryptomarkt überzeugen. ,Sie muss den Teilnehmer im Gegenteil davor bewahren, dort die falschen Dinge zu tun und sich um Kopf und Kragen zu spekulieren. Der Aufklärungsarbeit kommt eine neu defensiv-warnende, statt eine offensiv-werbende Rolle zu.

Doch wo lässt sich solche unaufgeregte Aufklärung erhalten? Waren schon die Robo-Advisor die falsche, weil interessenskonflikt-belastete Quelle für Financial Education, gilt dies heute auch für Krypto-Exchanges und andere Cyber-Protagonisten. Wenn Anleger tatsächlich nach seriöser, ausgeglichener Information in Sachen Kryptos suchen, stoßen sie auf einige Schwierigkeiten. Auf der einen Seite stehen die Krypto-Fanboys, die das Hohelied der Dezentralität singen. Auf der anderen Seite bewegen sich die Krypto-Kassandras, die das Ganze für grundsätzlich wertlos halten, wie etwa gerade wieder EZB-Chefin Christine Lagarde. Dazu kommen die vielen, zum Teil dubiosen Krypto-Influencer, die über YouTube, Twitter, Telegram und andere Social-Media-Kanäle für meist schräge Projekte werben.

Hohe Renditeversprechen sind Stoppschilder

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Lehren des Luna-Crashs

Kryptowährungen haben in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Noch einmal beschleunigt hat diese Entwicklung der Zusammenbruch des Kryptowerts Luna, ein Coin, der mit dem Stablecoin TerraUS (UST) gekoppelt ist. Das Geschäftsmodell der Terra-Blockchain, eine Basis für algorithmische Stablecoins anzubieten, ist gescheitert. Viele Anleger haben hier investiert, ohne den Coin und sein Geschäftsmodell wirklich verstanden zu haben.

Eine Grundregel für die Geldanlage heißt: Investiere nur in das, was Du verstehst. Das sollten Anleger auch und gerade beim Investment in Kryptowerte befolgen. Denn Kryptowerte sind in den meisten Fällen nicht einfach nur Währungen.  Und auch wenn deren Funktionsweise bekannt zu sein scheint, entsteht auch hier der Wert aus einer sehr komplexen Mischung aus Angebot und Nachfrage, Vertrauen, Politik und makroökonomischen Randbedingungen. Bei Coins ist die Mischung noch komplexer, denn in der Regel werden sie für einen Anwendungsfall oder das Geschäftsmodell einer Blockchain oder eines Smart Contracts, der auf einer Blockchain läuft, eingesetzt.

Die Investoren in den Kryptowert Luna mussten dies jetzt schmerzlich feststellen. Sein Wert ist innerhalb weniger Tage von rund 80 Euro auf quasi 0 gefallen. Luna ist der volatile Gegencoin zum Stablecoin UST, der immer einen Dollar wert sein sollte. UST ist ein sogenannter algorithmischer Stablecoin, dessen Wert nicht durch eine Besicherung in Dollar gewährleistet wird, sondern eben durch einen Algorithmus. Luna sollte vereinfacht dargestellt so funktionieren, dass wenn viele UST gekauft wurden – deren Preis also stieg – Luna in UST umgewandelt wurden, so dass deren Menge stieg und der Preis sich wieder nach unten anpasste. Umgekehrt wurden UST in Luna gewandelt, wenn zu viele Stablecoins den Preis unter einen Dollar drückten.

Weil im Zuge des generellen Abzugs von Kapital viele Anleger ihre UST in echte Dollars umtauschen wollten, konnte der Prozess den Stablecoin nicht bei dem Wert von einem Dollar halten. Das führte dazu, dass Vertrauen in den Algorithmus verloren ging und ein regelrechter Run einsetzte. Hinzu kam, dass große Fonds gegen den UST gewettet hatten, weil seine prinzipiellen Schwächen in Krisensituationen bekannt waren. Synchron mit der verlorenen Dollar-Bindung ging der Wert von Luna gegen Null, weil sich gleichzeitig deren Menge enorm vergrößerte und ihn niemand mehr kaufen wollte – außer Zocker, die auf eine Erholung von Luna wetteten.

Zwei Lehren für Anleger: auf Größe und Streuung achten

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Das Kryptoversum expandiert – und ordnet sich

Am 3. Januar 2009 betrat der Bitcoin die Bühne. Dieser erste blieb eine Weile der einzige seiner Art und es dauerte ein wenig, bis weitere Arten entstanden. Namecoin, Litecoin, Peercoin kamen (und gingen), um 2014 entstand Ethereum. Spätestens hier beschleunigte sich das Geschehen. Immer neue Coins entstanden, geschaffen für immer neue Ideen, Funktionen und mit immer neuen, mehr oder weniger nachvollziehbaren Anwendungsgebieten. Neben den bekannten Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether gab es im März 2022 laut Statista rund 10.500 verschiedene Altcoins, wie alle Kryptowerte genannt werden, die nach dem Bitcoin entwickelt wurden. Im August 2021 waren es noch rund 5.800, seither kam es also zu einem Anstieg um mehr als 80 Prozent. Eine Artenexplosion, die nach Ordnung verlangt.

Nur in wenigen Fällen werden Kryptowerte als Zahlungsmittel oder Wertaufbewahrungsinstrumente gebaut, sie dienen den unterschiedlichsten Zwecken:

  • Sie treiben Smart Contracts
  • Sie verleihen Rechte, um Blockchain-Ökosysteme zu lenken
  • Sie verschaffen Zugang zu Gemeinschaften
  • Sie treiben Defi-Prozesse
  • Sie sind Basis für Web3-Anwendungen
  • Sie repräsentieren den Wert von Fiat-Währungen
  • Sie repräsentieren Anteile an Sachwerten
  • Sie sind Währungen in Spielewelten und Metaversen

Selbst versierte Investoren können da die Übersicht verlieren. Deshalb kümmern sich inzwischen eine ganze Reihe von Analyse-Unternehmen um die Kategorisierung von Coins und Token, erleichtern Investoren die Analyse, die Auswahl von Anlagezielen und den Aufbau von diversifizierten Kryptowerte-Portfolios. Und katalogisieren wie alle Forscher zunächst einmal die gefundenen Arten und ordnen sie dann zu Stammbäumen und Evolutionsschritten.

Der Index-Anbieter MVIS etwa kategorisiert die Kryptowerte in acht Kategorien: Zahlungen, Smart-Contract-Plattformen, Exchanges, Decentraliced Finance, Media & Entertainment, Wertspeicher (Store of Value), Infrastruktur-Applikationen und Stablecoins.

Eine etwas detailliertere Kategorisierung bietet der US-Analysedienst Messari. Hier werden die Kryptowerte nach Defi, Smart Contract Platforms, Currencies, Stablecoins, Exchange Token, Web3, Privacy Coins, Interoperabilität, Decentralized Exchanges, Lending, Derivates, Asset Management, File Storage und Gaming kategorisiert.

Noch komplexer ist das Standardisierungsframework, mit dem die International Standardisation Association versucht, Ordnung in die Digital-Asset-Vielfalt zu bringen.

So entstehen vielfältige Stammbäume der Krypto-Arten, die auch manch irre Blüten treiben. So sind die vielfältigen Meme-Coins, Shit-Coins oder Spaß-Währungen kaum zu erfassen. Und spielen für langfristige Investoren auch keine Rolle.

Denn auch wenn die Kategorisierungen vordergründing für Investoren geschaffen werden:  Sie zeigen eindrucksvoll die Arten- und Funktionsvielfalt der Kryptowerte und damit die Reife dezentraler Technologien, die keineswegs auf die bekannten Anwendungsfälle von Bitcoin als Wertaufbewahrung und Ethereum als Smart-Contract-Plattform beschränkt sind. Die Blockchain-Technologie fräst sich in die verschiedensten Wirtschaftsbereiche, um dort Wertetransfers zu erleichtern oder erst zu ermöglichen.

Die Arten-Explosion zeigt, dass die evolutionäre Kraft der Blockchain-Technologie gerade erst voll zum Tragen kommt. So finden sich unter den 10.500 Kryptowerten heute womöglich Arten, die bereits realere Werte produzieren oder repräsentieren als manche Coins und Token der Top50. Realere, anfassbarere Anwendungen auch, die vor allem eines zeigen: Die „Blockchainisierung“ der gesamten Wirtschaft hat gerade erst begonnen. Die „Digitalisierung der Werte“ geht nicht weg, sondern gewinnt gerade an Fahrt. Nicht nur Banken oder Finanzunternehmen müssen sich hiermit beschäftigen, sondern alle Akteure des Wirtschaftssystems. Die Stammbäume der Kryptoarten sind dabei eine hilfreiche Standortbestimmung. Aber klar ist: diese Stämme werden sich noch viel weiter verästeln, das Wachstum hat gerade erst begonnen.

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Suche nach nachhaltigen Kryptowährungen

Der Bitcoin stand kürzlich wegen seines hohen Stromverbrauchs kurz vor einem Verbot in der EU. Das Verbot ist nicht gekommen, aber die Diskussion um Kryptowährungen, die mit dem energiehungrigen Proof-of-Work arbeiten, wird bleiben. Dabei arbeiten heute schon die wenigsten der Top-50-Kryptowährungen mit diesem Konsensmechanismus. Doch mit Bitcoin und Ether basieren die beiden größten Währungen auf diesem Verfahren, sie stellen zwischen 65 und 70 Prozent der Marktkapitalisierung.

Von den 50 Kryptowährungen mit der höchsten Marktkapitalisierung handelt es sich bei 33 um native Coins mit eigener Blockhain. Sieben davon arbeiten mit dem energiehungrigen Proof-of-Work-Verfahren (PoW), 21 nutzen Proof-of-Stake-Ansätze (PoS), fünf verwenden andere Mechanismen. Dazu kommen 15 Währungen, die als ERC20-Token auf der Ethereum-Blockchain aufbauen und so mittelbar auch den Proof-of-Work nutzen. Unter den Top-10 nutzen nur zwei Proof-of-Work. Dabei handelt es sich aber um Bitcoin und Ether, die beiden größten Währungen, die zusammen für rund zwei Drittel der gesamten Marktkapitalisierung stehen.

Diskussion um Energieverbrauch bleibt

Derzeit arbeitet die EU an der Regulierung des Kryptobereichs, der „Markets in Crypto-Assets Regulation“ oder kurz MiCA. Neben vielen anderen Themen wurde im zuständigen Ausschuss auch ein Entwurf diskutiert, der ein Quasi-Verbot von Kryptowährungen, deren Konsensmechanismus auf dem Proof-of-Work basiert, bedeutet hätte. In der entscheidenden Abstimmung wurde der Passus herausgenommen. Aber die Diskussion über Energieverbrauch bleibt.

Denn je nach Quelle verbraucht etwa Bitcoin auf Jahresbasis rund 204,5 TWh Strom (Bitcoin Energy Consumption Index, Digiconomist), Ether rund 112,14 TWh (Ethereum Energy Consumption Index, Digiconomist). Der Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index schätzt den annualisierten Verbrauch auf zwischen 52,84 TWh und 339,09 TwH, am wahrscheinlichsten um die 137,67 TWh. Zum Vergleich: Die Digiconomist-Werte entsprechen ungefähr der Produktionsmenge aller französischen Atomkraftwerke, der Bruttostromverbrauch in Deutschland lag 2021 bei 565 TWh.

Konsensmechanismen

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Kryptos als Krisenwährungen – der Twitter-Moment

2009 im Iran und 2011 während des arabischen Frühlings wurde mit Twitter erstmals die Macht der sozialen Netzwerke deutlich. Mit ihnen ließen sich Massen bewegen und koordinieren. Zurzeit lässt sich im Ukraine-Krieg dieser Twitter-Moment für Kryptowährungen beobachten Wie unter einem Brennglas werden die Möglichkeiten und Grenzen, und damit die janusköpfigen Chancen und Risiken von Kryptowährungen, klar.

Dabei geht es um zwei zusammenhängende, aber deutlich unterschiedliche Sachverhalte: zum einen um die dezentrale und deshalb krisenfeste Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur für Geld- und Werttransfers, zum anderen um die Funktion von Kryptowährungen als alternativer Wertspeicher zu Landeswährungen.

Blockchain als krisenresiliente Zahlungsinfrastruktur

Die dezentrale Blockchaininfrastruktur hat es der ukrainischen Regierung ermöglicht, den Krieg zum Teil mit einer Crowdfunding-Aktion durch Kryptowährungen zu finanzieren. Knapp 100 Millionen Euro in Kryptowährungen konnte die Ukraine durch einen Spendenaufruf inklusive Wallet-Adressen für verschiedene Coins und Token von Bitcoin bis Dogecoin einsammeln. Hier zeigt sich die Schnelligkeit von Kryptowährungen, die ohne Umwege über Banken jederzeit direkt zwischen den Beteiligten hin- und hergesendet werden können – und dies über wegen ihrer Dezentralität quasi unzerstörbare Wege – nur Strom und Internetverbindung sind notwendig. Hätte diese Aktion über traditionelle Bankennetze abgewickelt werden müssen, würde die Ukraine wahrscheinlich heute noch nicht über signifikante Spendengelder verfügen.

Über die Blockchaininfrastruktur lassen sich auch dann noch Kryptowerte transferieren, wenn es schon keine Bankeninfrastruktur mehr gibt. Wer rechtzeitig Geld in Kryptowerten geparkt hat – leider sind dies wahrscheinlich eher wenige ukrainische Bürgerinnen und Bürger –, kann dann zum Beispiel auf der Flucht darauf zurückgreifen. Einlagen, die bei einer ukrainischen Regionalbank liegen, sind im Zweifelsfalle schwieriger zu nutzen.

Kryptowährungen als Safe Harbour bei Großkrisen

Für andere Krisenkontexte steht eher die Wertaufbewahrungs- als die Werttransferfunktion im Mittelpunkt: Russische Bürger haben auf Binance, der weltweit größten Kryptobörse, in den ersten Krisentagen zehnmal mehr Kryptowährungen pro Tag gekauft als zuvor. Nicht um Sanktionen zu umgehen, sondern um ihre Ersparnisse vor der Inflation zu schützen oder auch um zum Beispiel eine eigene Emigration vorzubereiten. Wie schon in anderen Fällen weltweit zeigt sich hier, dass Kryptowährungen durchaus als Alternative zu Währungen taugen, wenn es zu fundamentalen Verwerfungen in der (geld-) politischen Entwicklung kommt. Dezentrale Blockchains schaffen über Stablecoins den Zugang zu stabileren Währungen oder direkt zu Kryptowährungen, deren Volatilität im Kontext von Geldkrisen weniger ins Gewicht fällt-  Als sicherer Hafen bei weniger disruptiven Krisenverläufen wie normalen Kapitalmarkteinbrüchen, haben sich Kryptowährungen dagegen eher nicht bewährt.

Zur Umgehung von Sanktionen sind Kryptowährungen weniger geeignet 

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