Innovation in Banken – Geschwindigkeit und aufsichtsrechtliche Anforderungen zusammenbringen

Die Commerzbank gewann auf dem Bankengipfel 2019 den Diamond Star Digital Banking Award für ein Blockchain-basierendes Zahlungssystem in der LKW-Logistik. Der prämierte Projektleiter antwortete auf die Frage der Moderatorin, was er sich wünschen würde, wenn er genau einen Wunsch frei hätte: keinen NPP mehr.

NPP bedeutet Neuer-Produkte-Prozess und wird Banken durch die MaRisk, die Mindestanforderungen an das Risikomanagement, vorgeschrieben, wenn sie neue Produkte entwickeln oder neue Märkte angehen. Der NPP wirkt als Innovationhürde, sorgt aber auch dafür, dass sich die Qualität von Innovationen verbessert, wenn er richtig verstanden und durchgeführt wird. In einer Zeit, in der Geschäftsmodell- und Technologie-Innovationen nicht mehr nur „gelegentlich“ vorkommen, sondern quasi zum Tagesgeschäft sind, gehört ein effizienter NPP, der aufsichtsrechtlich alles richtig macht und gleichzeitig hinreichend schnell abläuft, zu den wichtigen Werkzeugen erfolgreicher Banken.

Die Neu-Produkte-Prozesse in Banken

Die Finanzaufsicht möchte mit dem NPP Banken dazu bringen, dass sie die Innovationen und ihre Risiken verstehen bevor sie diese auf den Markt bringen. Der NPP verpflichtet regulierte Häuser ein Konzept zu erarbeiten, aus dem die Risiken des neuen Produkts oder Services, deren Auswirkungen auf das Gesamtrisikoprofil des Hauses und die Konsequenzen für das Risikomanagement hervorgehen. Dabei müssen sowohl die Fachbereiche, die in die Abläufe der Innovation später involviert sind, als auch die Abteilungen für Risikocontrolling, Compliance und interne Revision eingebunden werden. Wenn es um ein Handelsprodukt geht, muss darüber hinaus eine Testphase eingeplant werden. Die MaRisk schreibt dabei nur vor, dass es einen dokumentierten NPP geben muss, aber nicht wie dieser im Detail auszusehen hat.

NPP und die Realisierung von Innovationen

Für die Innovationsumsetzung in regulierten Häusern ist der NPP eine Herausforderung, der den Umsetzungsaufwand und den Time-to-Market unabhängig vom Geschäftsmodell signifikant erhöht. Banken wird gerne vorgeworfen, dass sie beim Thema Innovationen zu langsam seien – hier sollte man also bedenken, dass es durch den NPP quasi eine „gewollte“ Innovationsverzögerung für Banken gibt.. Für Banken wie die Sutor Bank, deren Geschäftsmodell vor allem in der Umsetzung von Innovationen mit und für unregulierte Partner wie Fintechs und andere digitale Unternehmen besteht, kommt hinzu, dass die unregulierten Partner für die NPP-gebremste Realisierung gemeinsamer Projekte nur begrenzt Verständnis haben. Deshalb sind hier erhebliche Moderationsanstrengungen nötig, um das Fintech-Tempo und die aufsichtsrechtlich korrekten Prozesse innerhalb von Banken zu synchronisieren und die Erwartungen an den Time-to-Market von Produkten oder Services zu managen.

Methoden wie Lean Startup, Design Thinking oder Agilität, wie sie in jungen Technologie-Unternehmen – und immer mehr auch in Banken selbst – angewendet werden,, stehen zum Teil im Gegensatz zu den vorgeschriebenen Innovationsabläufen der MaRisk. Diese Praktiken zielen immer darauf ab, erste Produktversionen sehr schnell zu entwickeln, auf den Markt zu bringen und aus dem Feedback, das die Kunden geben, zu lernen und das Produkt in iterativen Zyklen zu verbessern – man baut sogenannte Minimal Viable Products, das heißt Produkte, die die Mindestanforderungen für frühe Kunden erfüllen. Dies verträgt sich auf den ersten Blick nicht mit dem Konzept des NPPs, das voraussetzt, dass es ein fertiges Produkt gibt, für das dann der NPP durchlaufen werden muss.

Lösungen für effiziente NPPs im Dienste der Innovationsumsetzung

Zwar fordert die MaRisk den NPP als dokumentiert absolvierten Prozess, gleichwohl überlässt sie den Banken seine Gestaltung. Darüber hinaus beschreibt sie auch ausdrücklich Erleichterungen auf dem Weg zum Markt, die genutzt werden können: So dürfen Geschäftsleiter die Entscheidung, ob ein Produkt in die laufende Geschäftstätigkeit aufgenommen wird, delegieren. Die involvierten Organisationseinheiten können auf ein Konzept verzichten, wenn sie der Meinung sind, sie können die „Aktivitäten in einem neuen Produkt oder einem neuen Markt sachgerecht handhaben“.

Lösungen, die schnellere Innovationszyklen und effizientere innovative Kooperationen mit Fintech-Partnern erlauben, bieten sich an, wenn man den NPP nicht mehr als ein „gesondertes Verfahren“ versteht, das zusätzlich zu durchlaufen ist, sondern als integrierten Bestandteil jeder Neu-Entwicklung in regulierten Häusern. Dies ist einfacher möglich als gemeinhin angenommen, weil der NPP – und die MaRisk insgesamt – bei näherem Hinsehen nicht viel mehr verlangt, als ohnehin bei einem vernünftigen Innovationsumsetzungsprozess operativ geboten ist.

Der integrierte NPP – Design Thinking in Risiken

„Integriert“ heißt, dass schon in der Produktdesign-Phase, in der zum Beispiel mit Design-Thinking-Methoden gearbeitet wird, das Risikoprofil eines Produkts genauso berücksichtigt wird wie die Persona als Zielgruppen-Verkörperung für das Produkt. Wird die Risikokomponente in den Entwicklungsphasen entsprechend mitgedacht und erfasst, sollte  sich für jedes „Minimal Viable Product“ das NPP-Konzept mehr oder weniger von selbst ergeben. Der Einbezug der Fachabteilungen ist etwa bei der Arbeit mit agilen Methoden ohnehin gegeben, da dort mit cross-funktionalen Teams gearbeitet wird. Risikocontrolling, Compliance und interne Revision sollten, soweit das ihre aufsichtsrechtlich definierten Aufgaben erlauben, dann ebenfalls in diese Teams eingebunden werden.

Zusätzlich sollten die NPP-Abstufungen, die die MaRisk erlaubt, auch konsequent angewendet werden. Dazu gehören zum Beispiel eindeutige risiko- und aktivitätenbasierende Kriterien, ab wann ein Konzept für ein neues Produkt oder einen neuen Markt notwendig ist und bis wann die Organisationseinheiten beschließen können, dass die neuen Aktivitäten unter Berücksichtigung der ermittelten Risiken für sie kompetent managebar sind. Ebenso dazu gehören klare Regeln, auf welcher Ebene über die Geschäftsaufnahme entschieden werden kann. So muss für den ersten Produkteinsatz mit Pilotkunden und deshhalb begrenzten Risiken nicht jedem Fall die Geschäftsleitung entscheiden, ob das Produkt den Pilotkunden angeboten werden darf.

NPP optimiert Produktqualität

Insgesamt sollten sich die aufsichtsrechtlichen Zusatzaufwände für die Realisierung von Innovationen auf ein vertretbares Maß reduzieren sowie NPP-Forderungen und aktuelle Innovationsmethoden harmonisieren lassen. Der NPP erscheint dann nicht mehr als Zusatzaufgabe, die erledigt werden muss, sondern als Element, das die Qualität von Innovationen signifikant verbessert.

Banken müssen schneller innovieren

Die Innovationszyklen beschleunigen aktuell immer weiter. Banken müssen diesen Zyklen folgen, wollen sie nicht durch Technologie-Unternehmen, die sich zunehmend für die Finanzmärkte interessieren, abgehängt werden. Effiziente Innovationsprozesse, die diesem Tempo folgen können und gleichzeitig die aufsichtsrechtlichen Forderungen berücksichtigen, sind deshalb unbedingt notwendig. Um gemeinsam an NPP-Formen zu arbeiten, die dabei helfen können, haben sich in letzter Zeit einige innovationsfreudige Häuser zusammengetan und diskutieren die Erfahrungen und Optimierungspotenziale mit dem Ziel, Standards im obigen Sinne zu entwickeln.

 

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Überraschend gut: die Blockchain-Strategie der Bundesregierung

Die Blockchain-Revolution ist in vollem Gange und wird viele Lebensbereiche verändern. Um den Entwicklungen nicht hinterherzulaufen, sondern vielmehr weitreichende Impulse zu setzen und dafür einen Gestaltungsrahmen zu definieren, ist die Politik gefordert. Erstaunlich zügig haben das Wirtschafts- sowie das Finanzministerium ein gemeinsames Blockchain-Strategiepapier vorgelegt, das nun vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. Damit sollen die „Weichen für eine Token-Ökonomie“ gestellt und „Deutschlands führende Position“ in dem Bereich ausgebaut werden, wie es in dem Papier heißt. Für den Finanzsektor heißt es mit Blick auf das Thema Blockchain: „Stabilität sichern und Innovationen stimulieren“. Große Ankündigungen – die durch ihre Bestimmtheit und ihren engagierten Zeitplan aber durchaus positiv überraschen. Ein paar Wermutstropfen bleiben jedoch.

Wichtiges Zeichen der Bundesregierung

Die Blockchain-Strategie der Bundesregierung ist unabhängig vom jeweiligen Wert der 44 Einzelmaßnahmen ein wichtiges Zeichen, dass man Deutschland als einen führenden Krypto-Technologie-Standort etablieren möchte. Hier möchte man offenbar vieles besser machen, was man vielleicht beim Thema Künstliche Intelligenz verschlafen hat.

Die vielen Einzelmaßnahmen wirken zwar wie ein Aktivitäten-Bauchladen, es zeigt aber auch, dass die Blockchain nicht nur ein Finanzthema ist, sondern dass wir auf dem Weg in eine tokenisierte Ökonomie sind. Dies reflektiert der Ansatz der Blockchain-Strategie. Jetzt muss man sehen, was davon tatsächlich umgesetzt wird.

Innovationsdruck bei Banken: elektronische Wertpapiere noch dieses Jahr geplant

Aus Bankensicht ist die schnelle gesetzliche Umsetzung von elektronischen Wertpapieren in diesem Jahr der wichtigste Teil der Strategie – damit wurde allgemein nicht unbedingt gerechnet. Die Geschwindigkeit ist auf jeden Fall zu begrüßen, weil sich Deutschland damit sehr weit vorn in der Blockchain-Regulierung positioniert und klar zeigt, dass man dieses Feld nicht Liechtenstein oder der Schweiz überlassen möchte.

Für Banken entsteht durch elektronische Wertpapiere natürlich ein hoher Innovationsdruck.  Die ersten elektronischen Wertpapiere werden Schuldverschreibungen sein, Aktien und Fondsanteile sollen jedoch folgen. Jede Bank, die im Depotgeschäft aktiv ist, muss sich technologisch dafür rüsten, elektronische Wertpapiere zu verwahren. Auch die Handelsprozesse für elektronische Wertpapiere werden modifiziert, so dass sich auch aus Prozess-Sicht viel ändern muss.

Insgesamt würde man sich wünschen, dass sich die Bundesregierung genauso entschieden für eine einheitliche europäische Krypto-Regulierung einsetzt wie für die Verhinderung von Libra und anderen Stablecoins. Momentan scheint dies genau in eine andere Richtung zu laufen: Die einzelnen Länder versuchen sich mit nationaler Regulierung entweder als Innovationsstandort oder als Hüter der finanziellen Stabilität zu differenzieren – auch wenn sie natürlich betonen, dass sie beides wollen.

Hohe Regulierung schafft auch Hemmnisse

Im Rahmen der Umsetzung der vierten Geldwäsche-Richtlinie hat die Regierung mit ihrem Gesetzentwurf aber schon gezeigt, dass die Innovationfreundlichkeit auch ihre Grenzen hat: Der Krypto-Wert als Finanzinstrument wurde ins KWG aufgenommen, die Krypto-Verwahrung, soweit es nicht Wertpapier-Token betrifft, wurde als eigene Finanzdienstleistung definiert, für die eine Lizenz benötigt wird. Besonderheit dabei ist, dass Firmen mit einer Krypto-Verwahrungslizenz keine anderen Finanzdienstleistungen anbieten dürfen. Gleichzeitig wurde in das Geldwäsche-Gesetz aufgenommen, dass Krypto-Verwahrer ihre Kunden wie eine Bank identifizieren müssen. So ist praktisch die gesamte Krypto-Wertschöpfungskette durchgehend reguliert.

Damit hat die Regierung klar gemacht, dass sie Krypto-Werte als vollwertiges Instrument versteht, deren Behandlung reguliert werden muss. Durch die klare Trennung von Krypto-Verwahrung von allen anderen Finanzdienstleistungen wurde gleichzeitig festgestellt, dass sie hier ein Risiko sieht, das außerhalb der Banken bleiben soll, um deren Stabilität nicht zu gefährden. Hier hat man bei aller Innovationsfreudigkeit der Blockchain-Strategie die Hürden für Startups recht hoch gelegt und Innovationen im Sinne von Anlegerschutz und Stabilisierung des Finanzsystems erschwert.

 

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Facebooks Stablecoin Libra mit Cryptos massentauglich

Vor drei Jahren hat die Sutor Bank gemeinsam mit einer eMobility-Plattform und einem Berliner Startup einen der ersten Stablecoins entwickelt, mit dem Elektroautobesitzer Strom an privaten Ladesäulen bezahlen konnten. Das Projekt war damals in mehrfacher Hinsicht seiner Zeit voraus.

Jetzt hat Facebook sein Whitepaper und eine Reihe weiterer Informationen über seinen Stablecoin Libra veröffentlicht: Nun  scheint die Zeit für einen massentauglichen Stablecoin gekommen zu sein.

Mit dem Token, dessen Wert an einen Währungskorb gebunden wird, sollen die 2,4 Milliarden Nutzer der Facebook-Plattformen – neben Facebook selbst auch WhatsApp und Instagram – sich gegenseitig Zahlungen zukommen lassen können. Gelingt es Facebook nach der Revolutionierung der privaten und öffentlichen Kommunikation nun auch, das globale Geldsystem zu revolutionieren?

Stablecoins: Crypto-Token mit stabilem Referenzwert  

Stablecoins basieren ähnlich den bekannten großen Crypto-Währungen wie Bitcoin auf der Blockchain-Technologie. Wie der Name nahelegt, sind sie an reale Währungswerte gekoppelt, an den Euro, an den Dollar oder etwa an Gold. Ein Stablecoin bietet also viele – allerdings längst nicht alle – Vorteile einer originären Crypto-Währung, ohne den Nachteil der wild schwankenden Werte, für die Bitcoin  und Konsorten bekannt sind. Die an stabile(re) Referenzen gekoppelten Token gelten als Schlüssel für die breite Anwendung Blockchain-basierender Zahlungen in verschiedenen Kontexten wie Handel, Logistik oder Industrie, wo sie etwa Machine-to-Machine-Payments ermöglichen sollen. Denn sowohl Menschen als auch Unternehmen können mit Zahlungsmitteln, deren Wert stark schwankt, nichts anfangen.

Es gib zwar auch heute schon Stablecoins, etwa den an den Dollar gebundenen Tether, und den „Stablecoin-Baukasten“ DAI, aber sie haben aus Technologie-, Vertrauens- und Regulierungsgründen noch nicht den Weg aus der Crypto-Nische herausgefunden.

Das Facebook-Libra-Projekt ist deshalb in Größe, Anspruch und Erfolgswahrscheinlichkeit wegweisend und verdient eine Betrachtung aus mehreren Perspektiven

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Ein Tag in Ballroom D – Die Essenz der SXSW erleben

Der Ballroom D ist der größte Saal des Convention Centers in Austin. Hier werden die nach Meinung der SXSW-Kuratoren wichtigsten Fragen der digitalen Welt verhandelt. Wer dabei zuhören möchte, muss sich in die epischsten Schlangen der Konferenz stellen. Die winden sich zum Teil über mehrere Etagen durchs gesamte Convention Center bis raus auf die Straße – und das Convention Center ist immerhin drei Blocks lang und zwei breit.

Ein beliebter SXSW-Hack ist deshalb, den Ballroom D nach einem initialen Schlangestehen zur ersten Session gar nicht mehr zu verlassen und sich alle folgenden auch anzuschauen, falls nicht eine der rund 20 parallelen Veranstaltungen durch ein zwingendes Thema zum Weiterziehen auffordert. In der Natur der Hauptbühne liegt, dass viele der interessantesten und prominentesten Sprecherinnen und Sprecher gerade dort auftreten. Möchte man ohnehin mehrere Sessions dort verfolgen, zwingen wartelogistische Gründen ohnehin dazu, im Raum zu bleiben: Denn man schafft es nicht, die Location für einen Talk zu wechseln und sich dann für die nächste Ballroom-D-Veranstaltung wieder einen sicheren Schlangenplatz zu sichern. Also verbringt man dann eben den gesamten SXSW-Tag hier; für Biopausen oder die Kaffeeversorgung gibt es dankenswerterweise den Bathroom Pass, der einem die Rückkehr ohne Schlange-stehen-Umweg erlaubt.

Für das investierte Sitzfleisch wird man mit einer Tour d’Horizon durch die digitalen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der späten Zehnerjahre belohnt, wie zum Beispiel am ersten Tag der SXSW 2019.

Zugehörigkeit und Resilenz

Den Beginn machte Brené Brown, forschende Psychologin, Erfolgsschriftstellerin und große Geschichtenerzählerin. Sie erläuterte, was Zugehörigkeit im guten und schlechten Sinne bedeutet, wie Zugehörigkeiten zu verschiedenen Gruppen überwunden werden können und wie man die Resilienz entwickelt, die von Zugehörigkeit unabhängig macht.

Paartherapie am Arbeitsplatz

Ähnlich emotional ging es mit der Paartherapeutin Esther Perel weiter: Sie beschäftigte sich mit der Frage, was man aus Paarbeziehungen für Arbeitsverhältnisse in Unternehmen lernen kann. Interessant dabei auch ihre Erkenntnis, dass an Partnerschaften heute ähnliche Performance-Erwartungen gestellt werden wie an Arbeitsverhältnisse und umgekehrt in Arbeitsverhältnissen das emotionale Wohlergehen eine immer größere Rolle spielt.

 Streaming für hochklassigen Kurz-Content

Erst nach diesen zwei Soft-Sessions stand das erste „echte“ SXSW-Thema auf der Agenda:  Meg Withman, ehemalige CEO von Ebay und Hewlett Packard, und Jeff Katzenberger, ehemaliger Disney-Manager und Mitgründer von Dreamworks (Shrek, Madagascar), stellten im Gespräch ihre Plattform Quibi für mobiles Streaming von Kurzinhalten vor. Mit „The Next Form of Storytelling” möchten die beiden ungleichen Partner – eine Hochzeit zwischen Hollywood und Silicon Valley – nichts weniger als eine neue Ära des Bild-Content-Streaming einläuten

Nicht offensichtliche Trends, die die Zukunft verändern

Rohit Bhargava begeisterte das Publikum mit sieben nicht offensichtlichen Trends, die die Zukunft 2019 verändern: Retro Trust, Muddled Masculanity, Innovation Envy, Artificial Influence, Enterprise Empathy, Robot Renaissance. Begeisternd waren nicht (nur) diese Trends, sondern der Vortrag an sich und die praktische Anleitung, wie man diese Trends aufspürt, die Bhargava wichtiger war als die Trends selbst.

Den letzten Ballroom-D-Vortrag – über innovative Werbeformen von den Gründern der Agentur Giant Spoon – musste der Autor dann doch ausfallen lassen, weil an anderer Stelle mit den Winklevoss-Brüdern zwei Ikonen der Krypto-Welt ihre Sicht über die Zukunft von Bitcoin und Blockchain darlegten.

Die Essenz der SXSW

Die wilde Themenabfolge, die man an einem Tag in Ballroom D erlebt, macht die Essenz der SXSW aus: Man gewinnt Einsichten aus überraschenden Richtungen, aus Vorträgen, die man sich sonst nicht anhören würde und die auch und gerade nicht im beruflichen Umfeld liegen (dafür gibt es die branchennahen Fachkonferenzen anderswo).  Was man auch lernt: Wie sich erstklassige Business-Vorträge anhören, dem Storytelling genauso verpflichtet wie der Vermittlung umsetzbarer Inhalte und nicht zuletzt der Unterhaltung.

Der SXSW-Tag 2 wird übrigens auch wieder ein Ballroom-D-Tag: Er beginnt mit Howard Schultz, ehemaliger CEO von Starbucks und wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat 2020. Dann stellt Amy Webb ihre berühmten Emerging Tech Trends vor. Nach einem Medien-Talk zur Daily Show mit ihrem hochgeschätztem Moderator Trevor Noah, einer Keynote zu journalistischen Themen (Kara Swisher, Recode/New York Times,  Kathy Griffin, Comedian) und dem Vortrag des Bestseller Autors Neil Gaiman (Gods of America) wird es wieder hochpolitisch: Alexandria Ocasio-Cortez, linker Jungstar der Demokraten formuliert wahrscheinlich gewohnt scharf ihre nach eigener Einschätzung sozialistischen Ideen.

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Plattform, Kontext-Banking, Blockchain: Zur Fintech-Strategie der Sutor Bank

Fünf Jahre Fintech-Strategie: Bereits seit Herbst 2013 beschäftigt sich die Hamburger Sutor Bank mit digitalen Geschäftsmodellen in der Finanzbranche. Damit hat die mittelständische Hamburger Bank schon frühzeitig auf die technologischen Entwicklungen im Finanzbereich reagiert. Mit Erfolg: Durch die Kooperation mit aktuell 14 digitalen Partnern – darunter Fintech-Startups, digitale Plattformen sowie traditionelle Versicherungen und Banken – hat die Sutor Bank bis dato rund 150.000 neue Kunden gewonnen. Die Zahl der Kunden, die über dieses Segment kommen, entwickelt sich inzwischen mit einer hohen Dynamik und wächst mit rund 10 Prozent pro Monat. Die Sutor Bank hat von Anfang an die nötigen Voraussetzungen für das Umsetzen ihrer Fintech-Strategie geschaffen – und verfolgt diese auch weiterhin konsequent.

Plattform-Banking als Modell der Zukunft

Die gesamte Finanzindustrie befindet sich aktuell in einem durch Technologie-Innovationen beschleunigten Umbruch. Der derzeitige strategische Imperativ heißt: Bertreibe Plattform-Banking. Plattform-Banking bedeutet, mit Partnern auf einer gemeinsamen Plattform neue Geschäftsmodelle zu realisieren, Finanz-Angebote verschiedener Partner nach dem Vorbild Amazon auf einer Plattform zu bündeln oder Bank-Produkte auf Partner-Plattformen einzubetten. Auch große Häuser wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank haben inzwischen erklärt, dass sie mit ihren Unternehmen in das Plattform-Banking einsteigen werden.

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Blick in den Fintech-Maschinenraum zeigt Trends 2018/19 – Anfrage-Analyse

  • 3 Haupttrends für 2019: Etablierte Unternehmen steigen in Finanzmarkt ein, Konsolidierung bei den Fintechs, neue Startups im Blockchain-Umfeld
  • Blockchain-Krypto-Markt entwickelt sich trotz Rückschlägen
  • Über 2019 hinaus: Finanzlandschaft wird vielfältiger

Aus der Analyse der Anfragen, die wir als Anbieter einer Banking-Plattform fast täglich bekommen, lassen für sich rückblickend für 2018 und vorausschauend auf 2019 sind drei wesentlichen drei Fintech-Trends erkennen: Etablierte Unternehmen ohne Banklizenz – digitale Plattformen, E-Commerce-Unternehmen, Industrie-Unternehmen – bieten vermehrt Finanzprodukte an, der originäre Fintech-Markt wird reifer und konsolidiert weiter, neue Startups entstehen vor allem im Blockchain-Krypto-Bereich.

Die Sutor Bank als Anbieter einer Banking-Plattform, über die Nichtbanken Finanzprozesse in ihre Abläufe einbinden oder eigene Finanz-Geschäftsmodelle entwickeln können, erhält laufend Anfragen von etablierten Unternehmen und Startups. Eine Analyse der 2018 eingegangenen Anfragen bei der Sutor Bank zeigt die aktuellen Trends auf: Nach wie vor kommen Anfragen zwar vor allem aus den beiden Bereichen Anlage und Sparen sowie Payment und Banking – doch das Interesse aus dem Kredit- sowie dem Kryptobereich steigt stetig.

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Wenn GAFAs eine Bank denken. Tun sie es?

Mehr Text als Slides zum aktuellen Thema, was die GAFAs (Google, Apple, Facebook und Amazon) im Finanzbereich planen könnten und was eher nicht. Das Slidedeck gehört zu einem Vortrag gehalten am 13.9.2018 für die Zukunftswerkstatt Kreditinstitute.

Wenn GAFAs eine Bank denken. Denken Sie eine?

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Plattformisierung des Bankbetriebs, Vortragsslides

Zum Download die Slides zum Vortrag “Plattformisierung des Bankbetriebs”, gehalten am 20. September 2018, VÖB-Service Kongress; Rendezvous mit der Zukunft” – Fachkonferenz Digitalisierung.

Plattform-Banking: Die Plattformisierung des modernen Bankbetriebs

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Context banking, the eco-systems of banks, and embedded bank branding

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Context banking is a trend that has been observable for some time now: This means that financial services are becoming more and more embedded in the life and business process contexts of people and companies. Google and Apple’s payment services are the latest examples of this trend. But mobile payments are only interim solutions: Payment is about to detach itself from all devices and become a background process for which neither a smartphone nor a credit card have to be used. The Amazon take-away shops, currently being developed in the US, which can simply be left with purchased goods “without” payment, are the innovative spearheads of payment applications here. German public transportation companies are working on ticket systems that automatically calculate and collect fares according to the automatically recognized route. Similar developments can also be observed for loans, accounts, deposits or securities transactions. Loans can be seamlessly integrated like an alternative payment method at the digital point of sale, the saving of money can be linked to everyday events, or accounts can be embedded in platforms or apps of non-banks, if the application cases make this useful.

APIs – the technical basis for context banking

The technical basis for context banking are APIs, software interfaces that allow digital banking processes to be integrated into any external technical system. With the API constraint imposed by the PSD2*, legislators have reinforced this trend and simultaneously regulated API usage by introducing access services subject to authorization. From the customer’s perspective, contextual banking means that access to financial products and

banking services are available exactly where and when the living and business context requires them – without a bank being physically or virtually present. From this perspective, banking moves from a first-level to a support process in the background.

Context banking with new partners: the eco-system

For banks, contextual banking means working with partner companies that are closer to their customers’ life and business contexts than the banks are. In part, the PSD2 is forcing these new forms of collaboration. But beyond this constraint, banks offer new strategic options if they accept contextual banking as a strong driver that will change customer behavior sustainably.

If banks manage to open up to context partners with an attractive offer of banking as a service, and if they also succeed in building a living eco-system from these context partners, new attractive competitive positions can be taken. If the context partners then benefit not only from the banking services, but can also expect to win more end customers through the partnership, the business model approaches that of a “real” platform in the platform-economic sense.  This could be achieved, for example, by making it easier or cheaper to use contextual banking services by belonging to a banking platform; digital POS loans, for example, can be paid out more quickly and have lower interest rates because the borrower is already known.

Context Banking and the Customer Interface

A frequent objection to a context banking strategy is the argument that the customer interface is lost. This is only partly true for financial services in particular and may not be so tragic for them.

In the context banking model, banks do not completely lose contact with the end customer. For regulatory reasons, they remain their contractual partners for the products or services requiring identification and legitimation. In other words, the current account, custody account or credit agreement is concluded with the bank and not with the context partner; a complete white labeling of the bank is not possible. This creates potential for the development of a strong “embedded banking branding”. In practice, it can already be observed today that non-bank partners in the eco-systems are also aware of the brand strength of the banking platform in the background in marketing. Even digital natives place different demands on banks than on their social networks or streaming services. Therefore, they are not indifferent to who executes the embedded financial processes in context banking.

Customer relationships remain and become more valuable

These customer relationships are particularly valuable in the financial service business. When entering into the first business relationship with a bank, the customer has gone through a more or less time-consuming onboarding process, which always includes legitimation in line with money laundering requirements and often also suitability and appropriateness tests for the selected financial product. Not only the bank, having onbooarded the customer, benefits from this customer, but also the entire ecosystem of partners, who can serve these customers now without having to repeat these processes.
Thus, the regulated company bank, which is a strategic driver and not a driven one, always remains the natural focus, the platform hub of its ecosystem. Banks should therefore have the courage to develop context banking strategies based on open banking systems and cooperation with partners who are close to life and business of their customers.

 

 *PSD2: The Payment Service Directive 2 is EU regulation that obliges banks, among other things, to offer interfaces to the current accounts of the customer. Customers can then permit other companies to read out account data or trigger payments via the interfaces. These companies require to possess a BAFIN license as account information service or payment initiation service.

 

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Context Payments – Distruptive Kräfte formen Zahlungsprozesse neu

Aus Fintech-Sicht ist der Payment-Markt einer der ältesten und mit Paypal hat er das vielleicht älteste Fintech überhaupt hervorgebracht. Wahrscheinlich sind hier auch bereits die meisten Fintech-Unicorns unterwegs, Klarna, Stripe, Ayden, um nur einige zu nennen. Und über nichts können Fintech-Nerds heißer debattieren als über das Schicksal von Paydirekt, dem Paypal-Klon der deutschen Kreditwirtschaft, und die bisher nicht stattgefundene, aber jetzt anstehende Ankunft von Apple Pay in Deutschland.

Wenn man aus diesem Rauschen etwas über die Zukunft des Payments herausfiltern möchte, müssen wir die tatsächlich disruptiven Kräfte herausfiltern; quasi die Basiswellen, aus denen das Rauschen besteht, analysieren.

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Die formenden Payment-Treiber

Vier formative, miteinander verwobene Kräfte oder Trends verändern aktuell das Payment:

  • Context und Background Banking
  • Blockchain und Cryptocurrencies
  • PSD2 in Europa
  • Internet of Things

Context und Background Banking

Banking im Allgemeinen und Payment im Besonderen betten sich immer weiter und tiefer in die Lebens- und Geschäftsprozess-Kontexte von Menschen und Unternehmen ein. Mobile Payment ist die zurzeit prävalenteste Ausprägung dieses Trends. Aber die Entwicklung geht schon jetzt darüber hinaus: Payment löst sich von den Devices und wird zum Hintergrundprozess, zu dem man weder das Smartphone noch die Kreditkarte zücken muss.

Der Amazon-Shop in Seattle, den man einfach mit seinen eingekauften Waren verlässt, oder die Hotels mit vollautomatisiertem Check-in und Check-out inkl. „unsichtbarer“ Erfassung der im Restaurant eingenommenen Speisen bilden hier die innovativen Use-Case-Speerspitzen

Blockchain- und Cryptocurrencies

Cryptocurrencies, allen voran Bitcoin, bilden ein neues Zahlungsmittel, das nicht nur frei von staatlichem Einfluss ist. Sie machen aus dem Werttransfer, der bislang von der zentralen Institution Bank überwacht und beglaubigt wurde, einen dezentral verteilten Prozess, der Werte direkt zwischen Sender und Empfänger transferiert.

Smart Contracts auf der Blockchain gehen einen Schritt weiter und betten die Zahlung in den Vollzug eines Vertrags (oder abstrakter: in den Ablauf einer verteilt laufenden Software) ein. Dabei können Werte in Form von Cryptocoins mit einem eigenen Wert oder als Token, deren Wert an eine Fiat-Währung gekoppelt ist, übertragen werden.

Internet of Things – Thing-to-Thing-Payments

Das Internet of Things bettet die Bezahlung in den automatisierten Ablauf von physischen Prozessen ein. Primär laufen Zahlungen hier direkt zwischen Dingen ab, etwa zwischen dem SmartHome und den Energielieferanten, zwischen Containern und ihren Transportern, zwischen Maschinen und ihren Bearbeitungsgegenständen. Der Zahlungsprozess wird nicht mehr auf der Basis von Rechnungen organisiert, sondern durch den direkten Austausch von Leistung und Geldwerten am Point of Performance.

PSD2 – Regulierte Offenheit

PSD2, vereinfacht gesehen als Recht von Dritten, Banking-Infrastruktur und -Daten über Schnittstellen zu nutzen, treibt als Innovations-Regulierung die Entwicklung intentional in Richtung Context-Banking und -Payment. Zahlungsauslösedienste können sich direkt an Konten koppeln und Transfers in Abhängigkeit von beliebigen Kontext-Triggern auslösen, ohne dass Kreditkarten bemüht oder Online-Banking-Accounts geöffnet werden müssen.

Um das Wirken dieser Trends weiter auseinander zu dividieren: Wir haben es mit einem übergreifenden Trend zu tun: Context Payments (innerhalb des globaleren Trends Context Banking). Blockchain und Crypocurrencies, IoT und PSD2 sind technologische und regulative Trends, die den Context-Trend treiben.

 Was bedeutet das für Banken?

Die geschilderten Entwicklungen finden nicht irgendwann in der Zukunft statt, sondern passieren gerade jetzt; Use Cases der oben geschilderten Art diskutieren wir in unseren Fintech-Projekten ständig. Und die Frage, was sie für Banken bedeuten, stellt sich drängend. Sie müssen entscheiden, in welcher Tiefe sie die „Payment Supply Chain“ beherrschen wollen oder inwiefern sie „nur“ die regulierte Infrastruktur-Plattform für die Payments der Zukunft bereitstellen wollen.

Die Antwort auf diese Frage hängt auch davon ab, wie weit die Regulierung Prozesse banken- oder zumindest erlaubnispflichtig macht. Vor allem im Blockchain-Cryptocurrency-Kontext ist da noch einiges offen (wo findet z. B. bei einem Smart Contract die Zahlung statt und wer benötigt eventuell eine Zahlungsdienstleister-Lizenz). Der Regulator kann die Banken durch eine strenge Regulierung schützen, indem er maximal viele Prozessschritte in die Obhut der Banken gibt. Aber zumindest in Europa geht die Regulierung mit der PSD2 eher in eine andere Richtung.

Mit Paydirekt haben die deutschen Banken versucht, ein Stück der Payment Supply Chain, die sie an Paypal und andere Zahlungsdienstleister verloren hat, wieder zurückzugewinnen, was ihnen bisher nicht recht gelungen ist. Und auch wenn die vertikale Integration von Wertschöpfungsketten in vielen Fällen ein Erfolgsfaktor ist, ist fraglich, ob dieser Versuch an sich nicht schon der falsche Weg ist.

Wahrscheinlich wäre es vielversprechender, „echte“ Banking-Plattformen zu bauen, die auf der einen Seite kontextuelle Payment-Frontends unterstützen, auf der anderen Seite Kunden vertrauensvolle Zugänge zu verschiedenen Zahlungsmethoden und -technologien bietet, also z. B. eine Kombination von Fiat-Konto und Cryptocurrencies-Wallet, die sich ans SmartHome, ans mobile Device, an den Car-Sharing-Anbieter oder an eine Blockchain anschließen lässt. Übertragen auf den Corporate-Bereich hieße das zum Beispiel, dass Banken die Infrastruktur für Machine-to-Machine-Payments bereitstellen.

Das bedeutet übrigens nicht, dass Banken damit zu „Dumb Pipes“ oder reinen Commodity-Anbietern werden müssen. Denn bei Zahlungsprozessen spielen Vertrauen und damit auch Markenkraft und Bekanntheit eine wesentliche Rolle. Im Gegenteil, schaffen es die Banken, sich in diesem Sinne zu Plattformen zu wandeln, sollten sie eine vielleicht andere, aber ebenso starke Stellung behalten wie bisher. Letzte offene Frage ist dann allerdings, wie viele Banking-Plattformen braucht dann die Welt …

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