Vier Gedanken zu Fintech und Brexit

Was bedeutet der Brexit für Fintechs und Fintech im Allgemeinen? (Immerbrexit_113305240_S_300 unter der Voraussetzung, dass der Brexit mit allen Konsequenzen vollzogen wird, UK nicht mehr Teil des  EU-Binnenmarktes ist und die Regulierungen auseinanderlaufen werden).

  1. Der Brexit ist für Fintech-Europa ein herber Rückschlag: Der Markt für EU- und UK-Fintechs, den sie mit einer einheitlichen Regulierung bedienen können, wird viel kleiner (EU) bzw. sehr viel kleiner (UK) – der Skalierungs-Startnachteil gegenüber Fintechs, die in großen, einheitlich regulierten Märkten wachsen, vor allem USA und China, vergrößert sich.
  2. London als Fintech-Standort mit geschäftsfreundlicher Regulierung, von dem aus EU-Europa erobert werden kann, gibt es nicht mehr – einen Standort mit der gleichen Kombination von Startup-, Investitions- und Finanz-Kultur gibt es in EU-Europa nicht. Andere EU-Standorte werden profitieren, aber es wird nicht DEN London-Ersatz geben (auch Frankfurt oder Berlin können diese Rolle nicht übernehmen).
  3. Deutsche und andere EU-Fintechs, die bisher mit UK-Banken zusammengearbeitet haben, benötigen einen neuen EU-Bankenpartner, um innerhalb der EU passporten zu können. UK-Fintechs, deren natürliche Bankenpartner bislang UK-Banken sind, müssen sich ebenfalls EU-Banken als Partner suchen, um in Kontinentaleuropa aktiv zu werden. Wer in beiden Märkten aktiv sein möchte, benötigt zwei Bankenpartner (oder Banken, die in der EU und in Großbritannien voll regulierte Niederlassungen unterhalten). Auf jeden Fall wird das Fintech-Geschäft über alle Bereiche hinweg komplizierter, komplexer und vor allen Dingen teurer.
  4. Die USA werden für die EU-Fintechs im Vergleich mit Großbritannien der langfristig interessantere Markt. Wenn für UK nicht mehr die einheitliche europäische Regulierung gilt, kann man mit ähnlichem Aufwand gleich den Schritt über den großen Teich in den viel größeren US-Markt wagen (falls das betreffende Fintech nicht das Copy Cat eines US-Geschäftsmodells ist). Für UK-Startups gilt dies umgekehrt noch stärker, weil sie sprachlich-kulturell ohnehin US-näher sind.

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