Finovate New York – die nächsten Next-Finance-Dinge für Anlage, Sparen und Beraten

Auch auf der Finovate New York wurde nicht das nächste große Next-Finance-finovate_logoDing vorgestellt. Was sie aber von der Finovate London im Februar – aus meiner Sicht – wohltuend abhob, waren die zahlreichen Innovationen rund um die Themen automatisiertes und algorithmisiertes Anlegen, Sparen und Beraten. Hier ist man in den USA über die Robo-Advice-Ansätze, die sich in Europa gerade etablieren, schon hinaus (die gehören hier quasi schon zum erweiterten Mainstream). Deshalb hat man auf der Finovate New York weniger das Gefühl, sich in einer Endlosschleife inkrementeller Innovationen zu drehen, die PFM, Payment, Currency Transfer etc. immer nur schöner, grafischer und mobiler macht.

Gemeinsam war den präsentierten Anlage- und Beratungsansätze, dass sie vormals exklusive Strategien und Wissen für breite Kundengruppen verfügbar machen:

  • Blooom analysiert die Asset-Allokation von 401k-Rentenplänen (ähnlich wie in Deutschland Riester ein durch Steuererleichterungen staatlich gefördertes US-Rentenprogramm). Verderben zu viele Renten im Portfolio die Rendite, obwohl man noch weit weg vom Rentenalter ist, schlägt eine welkende Blume Alarm.
  • True Potential erlaubt das sehr einfache Anlegen von Mikrobeiträgen mit mobilen Geräten. Sparen wird damit zu einem alltäglichen Verhalten, das für erhebliche höhere Sparraten sorgt.
  • Mit HedgeCoVest können Anleger die Strategen der besten Hedge Fonds zu überschaubaren Kosten nachahmen. Unabhängig von der Frage, ob dies sinnvoll ist, werden damit für Privatanleger Investment-Strategien möglich, für die bisher ein hohes Eintrittsgeld zu zahlen ist.
  • Ähnliches bietet iBillionaire. Das New Yorker Unternehmen hat einen Milliardärsindex definiert und auf dieser Basis einen ETF aufgelegt. Im Index sind jeweils die 30 Aktien des S&P 500 repräsentiert, die die meisten einer Reihe von „Gurus“  im Portfolio haben.  Zumindest bislang liegt die Performance des im August gestarteten Indexfonds über dem Wertzuwachs des S&P 500. Hauptvertriebskanal für den Fonds ist die iBillionaire App, die über alle Aspekte des Index informiert, etwa über die Aktionen der analysierten Gurus oder die Entwicklung der einzelnen Aktien.
  • iQuantifi soll Familien und Millenials den Zugang zu einer fundierten, algorithmisierten Beratung bieten und zur finanziellen Fitness verhelfen. Der Robo Adviser entwickelt automatisiert zielabhängige Anlagevorschläge und zeigt auf, wie sich finanzielle Verhältnisse gegenseitig beeinflussen – ein teureres Auto etwa hat einen wesentlichen Einfluss auf das Sparziel „eigenes Haus“.
  • Vergleichbares, verbunden mit Gaming-Elementen und umfassender, bietet das schon bekannte Flexscore. Wie der Name sagt, erhält der User nach dem Ausfüllen der vielen gründlichen Analyse-Formulare einen Score, der seine finanzielle Lage repräsentiert, und Vorschläge, wie er diesen Score verbessern kann. Flexscore hat auf der Finovate eine App vorgestellt, die einen Quick Score auf Basis einiger weniger Angaben ermittelt.
  • Kapitall eröffnet einen rein spielerischen Zugang zum Kapitalmarkt. In einer gamingen Umgebung lernt der Nutzer durch Spiele und Wettbewerbe wie der Kapitalmarkt funktioniert – etwa durch das Managen von virtuellen Portfolios –, bis er so fit ist, dass er über Kapitall auch investieren kann.
  • Loyal3 bietet „Investment for all“. Über die Plattform können sehr einfach die Aktien ausgewählter Unternehmen zu sehr niedrigen Gebühren geordert werden. Selbst Sparpläne auf einzelne Aktien sind möglich.

Ansonsten war in New York alles vertreten, was man auch sonst so auf Next-finovate_crowdFinance-Veranstaltungen zu sehen bekommt: Payment, PFM, (Peer-to-Peer-) Lending für Privat- und Geschäftskunden, Konsumfinanzierung etc. Bei vielen dieser Firmen wundert man sich erstens, dass sie mit diesen Me-Too-Geschäftsmodellen, die sich immer nur durch Nuancen unterscheiden, an den Start gehen und  zweitens, dass sie zur Finovate eingeladen werden.

Eine Reihe von smarten Lösungen gab es noch für die tieferen Maschinenräume von Finance-Infrastrukturen zu sehen. Sie widmeten sich Dingen wie Workflow-Automatisierung, Big-Data-Analysen, Security und Betrugsvorsorge. Dazu an anderer Stelle vielleicht mehr.

Ein Thema fehlte übrigens auffällig: Kein Präsentator beschäftigte sich mit Bitcoins oder Cryptocurrencies im Allgemeinen. Für eine Innovationskonferenz eine  ziemlich schmerzliche Lücke …

Bleibt die Frage, lohnt sich der Sprung über den großen Teich? Die Antwort: Kommt auf den Fokus an. Wer sich, wie ich, für die Themen Anlegen, Sparen und Beraten interessiert, kommt auf seine Kosten und Inspirationen. Wer nach den nächsten großen Finance-Dingen sucht, eher nicht.

 

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