Über die unsinnige Frage, ob sich Banken oder Fintechs durchsetzen

1. Die Frage, ob sich Banken oder Fintechs im Markt durchsetzen werden, ist die falsche Frage. Banken als lizenzierte Institutionen sind nicht verdrängbar (was nicht für die Banken als einzelne Unternehmen gilt). Deshalb ist die Frage eher: Werden die Banken von heute die Banken von morgen sein und wie sehen diese aus? Oder anders: Welche Fintechs werden Banken und welche Banken werden partiell zu Fintechs (oft wird diese Frage übrigens aus einer verengten Perspektive auf Retail-Fintechs gestellt)?

2. Finance ist eher ein reguliertes, sich gerade veränderndes Ecosystem als ein freier Markt. Banken haben in diesem System eine Doppelfunktion als Ressource und Akteure. Ihre Ressource heißt „Regulierungsschirm“. Viele Fintechs benötigen diese Ressource, um zu gedeihen.

3. Die Beziehung zwischen Banken und Fintech-Startups ist hybrid kooperativ-konkurrierend.

4. Fintechs stoßen in Ecosystem-Nischen, die Banken nicht erreichen:

  • Sie erschließen Geschäftspotenziale, die regulierten Banken nicht oder nur schwer zugänglich sind.
  • Sie übernehmen Risiken oder „bieten“ Risiken (und damit Renditen), die Banken aufgrund ihrer gesamtwirtschaftlichen Funktion nicht übernehmen sollen (Too Bank to fail …)
  • Sie nutzen Technologien, die Banken aufgrund ihrer Legacy-IT nicht zur Verfügung stehen.
  • Sie nutzen Geschwindigkeitsvorteile in der Umsetzung von Innovationen und der Entwicklung von Produkten, die Banken aufgrund regulativer und konzerninterner Bremsen nicht erreichen können.

5. Fintechs sind für Banken Konkurrenten, Partner, Teil, Kunden und Dienstleister.

6. Manchmal und wahrscheinlich immer öfter sind Fintechs Banken.

7. Die Ankunft der Fintechs im Ecosystem Finance verlangt von den Banken, dass sie sich anpassen, um die durch sie beschleunigte Evolution in der Industrie zu überleben und ihr Bank-Sein nicht an neue Finance-Spezies zu verlieren. Fintechs sind (Über-) Träger der evolutionären Treiber in der Finanzindustrie:

  • Kapital, das VC über Fintechs in die Branche pumpen
  • Exponentielle technologische Entwicklung: Digitalisierung, Blockchain, Machin Learning etc.
  • Verändertes Kundenverhalten: Mobility, Einfachheit, Design etc. (das ist die Spielwiese der Retail-Fintechs)

8. Entscheidend ist nicht, ob Banken mit Fintechs kooperieren oder nicht, sondern, ob sie sich genügend schnell ändern können, um der beschleunigten Evolution der Industrie folgen zu können. Kooperation mit Fintechs ist eine Möglichkeit, das Tempo mitgehen zu können.

9. Als Ressourcen im Finanz-Ecosystem können die Altbanken Sub-Ecosysteme durch Plattformstrategien etablieren und damit langfristig ihre Existenz sichern.

  • Als Business-Plattformen nach dem Uber- und Airbnb-Modell bündeln sie als „Banking-Layer“ Fintech- und eigene Angebote, um ihren Kunden innovative und traditionelle Finanzprodukte als im Kundensinne regulierte Banken integriert anzubieten (Rebundling Banking).
  • Als Technologie-Plattformen agieren Banken wie die großen Software-Unternehmen Oracle, Salesforce, SAP oder auch Apple mit App-Store, die ihre Systeme über Schnittstellen anbieten, damit Partnerunternehmen dafür „Mehrwert-Anwendungen“ entwickeln. Die Bank-as-Service bietet Fintechs in diesem Sinne eine vollregulierte Technologie-Plattform für ihre Geschäftsmodell- und Produkt-Entwicklung an.

10. “Incumbent institutions will employ parallel strategies; aggressively competing with new entrants while also leveraging legacy assets to provide those same new entrants with infrastructure and access to services.” [World Economic Forum: The Future of Financial Services – How disruptive innovations are reshaping the way financial services are structured, provisioned and consumed]

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