Vier Fragen zu Fintech 2017: Entwicklung, RoboAdvice, Regulierung, Brexit & Trump

bussinessman hand pointing fintech text for 2017. targets  conceVorbemerkung: Die Fragen wurden gestellt von Newskontor und von mir als Business Developer für Sutor Bank beantwortet:

(1) Die Bedeutung welcher Fintech-(Produkt-) Entwicklungen wird Ihrer Meinung nach 2017 steigen? Wo gibt es überhaupt noch Marktmöglichkeiten für Fintechs aus Ihrer Sicht?

Welche Produkte oder Geschäftsmodelle 2017 in ihrer Bedeutung steigen werden, ist schwierig zu prognostizieren. Aber auf welchen Technologien oder Konzepten sie basieren, lässt sich schon absehen (und damit ergeben sich auch die Marktmöglichkeiten für Fintechs): Bedeutende Fintech-Innovationen werden wir in den Bereichen Blockchain und KI sehen. Die exponentielle Entwicklung in der KI wird die natürliche Sprache zur bevorzugten Nutzerschnittstelle der Zukunft machen: Und zwar in geschriebener Form via Chat-Bots ebenso wie gesprochen über neue Endgeräte wie Amazon Echo oder Google Home. Die ersten konkreten Fintech-Anwendungen standen bei den diversen Hackathons der Branche schon im Fokus der Entwickler.

2017 werden wir immer mehr Nicht-Fintechs und Nicht-Banken sehen, die in der Finanzindustrie mitspielen und die digitale Entwicklung vorantreiben. Plattform-, Industrie- oder Energieunternehmen nutzen Fintech zunehmend, um Finanz- oder Banking-Funktionen in ihre Systeme zu integrieren. Banking wird so zum unsichtbaren Hintergrundprozess (Invisible Banking).

Mit Blick auf die traditionellen Fintech-Felder werden wir erleben, dass sich deren Modelle, etwa Robo Advising, Peer-to-Peer-Lending, Peer-to-Peer-Payment oder Mobile Payment, auf breiter Front durchsetzen werden, sich der Markt aber auch stark konsolidieren wird. Die Gewinner werden zum Teil die Banken selbst, zum Teil die großen Technologieunternehmen, zum Teil starke Startups sein, die dann eventuell selbst Banklizenzen haben werden, wenn es das Geschäftsmodell erfordert. Fintech-Startups, die sich auf diesen Feldern noch etablieren möchten, müssen sich schon sehr anstrengen, um hier noch alleinstellende und wertschöpfende Differenzierungsmerkmale zu entwickeln

(2) Wie müssen Robo Advisors aufgestellt sein, um den zunehmenden Unsicherheiten an den Märkten erfolgreich zu begegnen?

Nicht nur getrieben von Unsicherheiten, sondern auch vom reifer werdenden Markt mit 64 Robo Advisors allein in Deutschland und von den sich rasant entwickelnden Technologien, müssen Robo Advisors intelligenter sowohl in Richtung Asset Management als auch in Richtung Beratung werden, wollen sie die kommende Konsolidierungswelle selbstständig überleben. Die meisten Mittelzuflüsse verzeichnen zurzeit digitale Anlage-Startups, die ein dynamisches Asset Management anbieten. Alternativ bieten sich Robo-Advisors-Kooperationsstrategien mit den etablierten Banken und Finanzdienstleistern an. In diese B2B-Richtung gehen bereits einige Akteure der ersten Stunde.

Lösen wir uns von dem Begriff Robo Advising und weiten den Fokus auf Anlage- und Spar-Fintechs im Allgemeinen, sehen wir für 2017 eine ganze Reihe von Startups, die Investieren und Sparen einfacher machen, automatisieren und ins tägliche Leben einbetten.

(3) Wie entwickelt sich der Fintech-Standort Deutschland 2017? Welche Erwartungen richten Sie auch an die Politik?

Der Fintech-Standort Deutschland wird sich 2017 gut entwickeln, auch aus eigener Kraft, nicht nur als „Substitut-Markt“ für das brexierende Großbritannien. Die Politik ist dabei grundsätzlich schon auf dem richtigen Weg: Auf Bundesebene ist Fintech immerhin Staatssekretär-Thema, in den Ländern beschäftigen sich Minister damit, ihre Fintech-Standorte gedeihen zu lassen. Auch die Regulierungsinstitutionen Bundesbank und Bafin haben inzwischen eigene Fintech-Abteilungen eingerichtet oder zumindest Fintech-Ansprechpartner bestimmt.

Der Appell an die Regierung geht eher in die allgemeine Richtung, die Digitalisierung in Deutschland weiter zu fördern – hier gibt es Nachholbedarf – und dies speziell im Finanzsektor durch die Fortschreibung einer digitalkompatiblen Regulierung zu konkretisieren.

(4) Werden die Wahl von Donald Trump und der Brexit das Klima für Investitionen in Fintechs verschlechtern?

Ob die Wahl von Trump oder der Brexit konkret für sich das Investitionsklima verbessern und verschlechtern, kommt auf den Standpunkt an. Da Trump die Regulierung der Banken zurückfahren möchte, könnte sich das Investitionsklima hier kurzfristig verbessern. Der Brexit ist sicherlich weniger gut für die Fintech-Investitionen in UK, aber vielleicht ein Verstärker für die Investitionen in den verbleibenden EU-Staaten.

Generell ist aber eine national ausgerichtete Politik, die sich gegen offene Grenzen, Toleranz und freien Handel richtet, langfristig investitionsfeindlich für alle Branchen.

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