Digitalisierung bei Sutor Bank – Bedeutung, Treiber, Impact

Die folgenden Fragen und Antworten sind im Rahmen der Vorbereitung für ein Roundtable-Gespräch für die Zeitschrift die Bank entstanden. Der Artikel zum tatsächlichen Roundtable erscheint voraussichtlich in der Oktober-Ausgabe.

Was versteht Sutor Bank unter Digitalisierung und was bedeutet sie konkret für das Haus?

Digitalisierung bedeutet für uns zuallererst eine kundenorientierte Einstellung: Wir wollen unsere Kundenbeziehungen so gestalten, wie sie die Digital Natives, die in nicht allzu ferner Zukunft die Mehrheit der Kunden bilden werden, erwarten – ohne allerdings unsere bestehenden Kunden ohne digitale Sozialisierung, für die wir als traditionelle Privatbank in größerer Zahl arbeiten dürfen, vor den Kopf zu stoßen.

Organisatorisch bedeutet Digitalisierung, dass wir jeden neuen und bestehenden Prozess auf seine Digitalisierungsfähigkeit überprüfen. Das ist an dieser Stelle nicht technisch gemeint. Wir wissen, dass ein voll durchdigitalisierter Prozess theoretisch vollautomatisch und in Echtzeit ablaufen kann. Organisatorische Digitalisierung heißt in diesem Kontext, dass wir die Prozesse vor dem Hintergrund der existierenden Regulierung so gestalten, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung maximal genutzt werden können; das gilt z. B. für Kundenlegitimierungsprozesse genauso wie für die Beschaffung von Wertpapieren.

Technisch bedeutet Digitalisierung, dass wir dann einen Prozess digitalisieren, wenn eine konkrete Partnernachfrage besteht oder ein konkreter Kundennutzen gestiftet werden kann. Der erste Fall bezieht sich vor allem auf die Zusammenarbeit mit Fintechs, die bereits seit 2013 zu unserer Strategie gehört. Technische Digitalisierung bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass wir unser System über APIs für die Nutzung durch Fintech-Partner geöffnet haben.

Welche Faktoren treiben die Digitalisierung bei Sutor Bank und welche strategischen Chancen und Risiken sieht das Haus im Zuge der Digitalisierung?

 Neben der allgemeinen Entwicklung, die jede Bank in Richtung Digitalisierung treibt, gehen die stärksten Digitalisierungsimpulse zurzeit von unseren Fintech-Partnern aus. Ihr radikal digitales Denken  und Handeln fordert von uns die Gestaltung passender Banking-Prozesse und die stetige Fortentwicklung unserer IT-Systeme.

Aber auch unsere traditionellen B2B-Partner, in erster Linie Finanzvertriebe, fordern digitale Systeme und Werkzeuge, um ihre Kunden optimiert und effizienter bedienen zu können. Im B2C-Umfeld haben wir schon sehr früh unsere Vermögensverwaltung demokratisiert und den ersten bankbasierten Robo-Advisor mit integrierter Vermögensverwaltung gestartet.

Wir sehen Digitalisierung eindeutig als Chance, um uns ganz neue Märkte zu erschließen, sowohl in unserem angestammten Geschäftsfeld Anlegen und Sparen an den Kapitalmärkten, als auch gemeinsam mit und für Fintech-Partner in neuen Geschäftsfeldern wie Kredit- oder Zahlungsplattformen.

Welchen messbaren Impact und welche konkreten Veränderungen in Bezug auf Kunden, Profitabilität und Kulturwandel hat die Digitalisierung Sutor Bank hervorgebracht?

Messbarer Impact ist vor allem der Gewinn von neuen Kunden durch unsere Fintech-Partner. Dadurch werden auf jeden Fall neue Cashflows generiert. Klar ist aber auch, dass der Wert eines digitalen Kunden weniger hoch ist als der eines traditionellen Kunden. Banken müssen sich, wie die Akteure in anderen digitalisierten Märkten auch, darauf vorbereiten, dass die Margen durch transparentere Preise, geringere Wechselkosten etc. unter Druck kommen. Mit unserer schlanken Struktur sind wird dafür aber bereits gut aufgestellt.

Der Kulturwandel läuft bei uns von außen nach innen ab. Die Mitarbeiter „draußen“ nehmen die Kundenbedürfnisse und die Trends wahr und tragen sie in die Bank. Wenn es dann darum geht, digitale Prozesse umzusetzen, sind die Backoffices oder IT-Abteilungen mindestens ebenso gefragt. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach. Aber die Digitalisierung entwickelt hier eine kulturwandelnde Eigendynamik, die auch die Mitarbeiter in positiver Weise mitnimmt.

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